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20. April 2026

EU AI Act Checkliste für Unternehmen 2026

EU AI Act Checkliste für Unternehmen: Was seit August 2026 gilt, welche Fristen der Omnibus verschoben hat und wo die meisten Betriebe noch Lücken haben.

Aktualisiert am 21. Oktober 2026: angepasst an die Endfassung der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744.

Der EU AI Act gilt. Nicht irgendwann, nicht für Konzerne. Für Unternehmen jeder Größe, die KI-Systeme nutzen. Seit dem 2. August 2026 gilt er weitgehend vollständig. Die Hochrisiko-Pflichten folgen ab Dezember 2027.

Diese Checkliste zeigt, was Sie jetzt prüfen sollten. Nicht jeder Punkt ist gesetzlich vorgeschrieben. Zusammen geben sie Ihnen den Überblick, den Sie für die Pflichten brauchen.

Wer diese Checkliste braucht

Jedes Unternehmen, das KI-Systeme im Betrieb einsetzt. Das schließt ein: ChatGPT, Microsoft Copilot, KI-gestützte ERP-Module, automatisierte Bewerberauswahl, Qualitätskontrolle per Bildverarbeitung, Chatbots im Kundenservice.

Wer keines dieser Systeme nutzt: kein Handlungsbedarf.

Wer auch nur eines davon nutzt: alle fünf Punkte der Checkliste sind relevant.

Die Checkliste im Überblick

1. KI-Inventar erstellt

Was gemeint ist: Eine Liste aller KI-Systeme, die im Betrieb eingesetzt werden. Nicht nur die, die IT angeschafft hat. Auch die, die Mitarbeiter privat nutzen und für die Arbeit verwenden.

Was viele vergessen: Browser-Plugins mit KI-Funktionen, KI-Funktionen in bestehender Software (z.B. automatische Textvorschläge im CRM), extern eingekaufte KI-Leistungen (z.B. KI-gestützte Übersetzung).

Woran Sie erkennen, dass es fehlt: Niemand im Betrieb kann auf Anhieb sagen, welche KI-Systeme gerade aktiv genutzt werden.

2. Risikoklassifizierung abgeschlossen

Was gemeint ist: Jedes KI-System auf der Inventarliste bekommt eine Risikoklasse. Der EU AI Act unterscheidet vier Stufen: verboten, hochriskant, begrenzt riskant, minimales Risiko.

Was das für den Mittelstand bedeutet: Die meisten Standard-Tools wie Copilot oder ChatGPT fallen in die Kategorie "minimales Risiko". Aber KI in der Personalauswahl, Kreditvergabe oder Sicherheitskritischen Anlagen fällt in "hochriskant" mit deutlich strengeren Anforderungen.

Woran Sie erkennen, dass es fehlt: Die Risikoklasse ist für keines der genutzten Systeme dokumentiert.

3. KI-Nutzungsrichtlinie vorhanden

Was gemeint ist: Ein internes Dokument, das regelt, wer welche KI-Systeme für welche Zwecke nutzen darf. Und was verboten ist. Gesetzlich vorgeschrieben ist es nicht. Es ist aber der einfachste Weg, Regeln für alle klar zu machen.

Was viele vergessen: Die Richtlinie sollte kommuniziert werden. Einmal im Intranet ablegen reicht nicht. Mitarbeiter sollten bestätigen, dass sie die Richtlinie gelesen haben.

Woran Sie erkennen, dass es fehlt: Neue Mitarbeiter wissen nicht, was im Betrieb mit KI erlaubt ist.

4. Schulung mit Dokumentation

Was gemeint ist: Seit Februar 2025 gilt Art. 4 des EU AI Act, seit Juli 2026 in neuer Fassung. Unternehmen müssen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden zu fördern. Ein bestimmtes Niveau jedes Einzelnen müssen sie nicht garantieren. Eine Schulung zu Grundlagen, Risiken und Grenzen der Systeme ist der naheliegende Weg.

Was das konkret bedeutet: Eine kurze schriftliche Information mit Lesebestätigung ist in vielen Fällen ausreichend. Ein mehrstündiges Seminar ist nicht zwingend.

Woran Sie erkennen, dass es fehlt: Es gibt keine Dokumentation darüber, wer wann über welche KI-Systeme informiert wurde.

5. Anbieter-Check durchgeführt

Was gemeint ist: Externe KI-Anbieter müssen ihrerseits EU AI Act-konform sein. Als Betreiber tragen Sie eine Mitverantwortung dafür, keine nicht-konformen Systeme einzusetzen.

Was das bedeutet: Prüfen Sie, ob Ihre KI-Anbieter eine Konformitätserklärung oder entsprechende Zertifizierung vorweisen können. Für Hochrisiko-Systeme ist das Pflicht.

Woran Sie erkennen, dass es fehlt: Sie wissen nicht, ob Ihre Anbieter EU AI Act-konform sind.

Was passiert, wenn die Checkliste nicht abgearbeitet ist

Der EU AI Act sieht gestaffelte Bußgelder vor: bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes für verbotene Praktiken, bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent für andere Pflichten. Nicht jeder Punkt dieser Checkliste ist eine solche Pflicht. Im Alltag spürbarer: Kunden und öffentliche Auftraggeber fragen zunehmend nach, wie Sie KI einsetzen.

Wichtiger noch: Wer die Checkliste abgearbeitet hat, hat auch einen besseren Überblick darüber, welche KI-Systeme im Betrieb wirklich genutzt werden. Das allein hat für viele Unternehmen eigenständigen Wert.

Wie lange dauert die Umsetzung?

Für einen Betrieb mit 20 bis 150 Mitarbeitern und einer überschaubaren Anzahl an KI-Systemen: vier bis acht Wochen, wenn jemand die Aufgabe strukturiert angeht.

Der größte Zeitaufwand liegt beim KI-Inventar. Wer nicht weiß, was im Betrieb genutzt wird, kann die restlichen vier Punkte nicht sauber abarbeiten.

Der häufigste Fehler

Betriebe warten auf eine offizielle Handreichung, die alles genau erklärt. Die gibt es nicht in dieser Form. Der EU AI Act ist ein Rahmengesetz. Was im Einzelfall angemessen ist, hängt von Ihren Systemen und deren Einsatz ab.

Das bedeutet: Handeln ist besser als Warten. Ein dokumentierter, ehrlicher Versuch schützt besser als nichts.

Interne Links für den nächsten Schritt

Wer alle fünf Punkte strukturiert abarbeiten will, findet die Details im Artikel zu den EU AI Act Pflichten für KMU 2026.

Den Unterschied zwischen den Risikoklassen erklärt der Artikel zur AI Act Risikoklassifizierung für KMU.

Was Art. 4 zur KI-Kompetenz (Punkt 4 der Checkliste) konkret verlangt und wie eine schlanke Dokumentation aussieht, erklärt der Artikel zur EU AI Act Schulungspflicht für Mitarbeiter.

Wer eine fertige Vorlage für die Nutzungsrichtlinie (Punkt 3) sucht: die KI-Nutzungsrichtlinie Vorlage ist direkt anpassbar.

Wer die Checkliste professionell begleitet abarbeiten will: der KI Compliance Check deckt alle fünf Punkte ab.

Häufige Fragen

Gilt die Checkliste auch für kleine Betriebe unter 20 Mitarbeitern? Ja. Die Pflichten für Betreiber gelten grundsätzlich unabhängig von der Betriebsgröße. Für kleine Unternehmen gibt es bei bestimmten Punkten Erleichterungen, aber keine generelle Ausnahme.

Was wenn wir nur ChatGPT gelegentlich nutzen? Auch das zählt. ChatGPT fällt in die Kategorie "minimales Risiko", was die Anforderungen überschaubar macht. Art. 4 gilt auch dann: Eine kurze Schulung mit Dokumentation ist der naheliegende Weg. Eine Nutzungsrichtlinie ist nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll.

Müssen wir einen Datenschutzbeauftragten einschalten? Nicht zwingend für den EU AI Act. Aber da KI oft personenbezogene Daten verarbeitet, ist Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten empfehlenswert.

Reicht eine interne Lösung oder brauchen wir externe Hilfe? Das hängt von der Komplexität ab. Betriebe mit vielen verschiedenen KI-Systemen oder Hochrisiko-Anwendungen profitieren von externer Begleitung. Für einfache Setups ist eine interne Lösung oft ausreichend.

Wie oft muss die Checkliste wiederholt werden? Jährlich ist ein guter Rhythmus. Bei wesentlichen Änderungen in der Tool-Landschaft zusätzlich.

Nächster Schritt

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